Interview: Anarchist*innen im Iran über die Proteste

Am 13. September 2022 wurde die 22-jährige Mahsa Amini von der iranischen “Sittenpolizei” verhaftet. Mahsa wurde in Teheran verhaftet, weil sie sich nicht an die Kleidervorschriften gehalten hatte. Drei Tage später, am 16. September, teilte die Polizei der Familie von Mahsa mit, dass sie ein “Herzversagen” erlitten habe und zwei Tage lang ins Koma gefallen sei, bevor sie verstarb.

Augenzeugenberichte, darunter der ihres eigenen Bruders, machen deutlich, dass sie bei ihrer Festnahme brutal geschlagen wurde. Durchgesickerte medizinische Scans deuten darauf hin, dass sie eine Hirnblutung und einen Schlaganfall erlitten hatte – Verletzungen, die letztlich zu ihrem Tod führten.

In den Tagen nach Bekanntwerden dieser Details kam es in ganz Iran zu Massenprotesten, bei denen die Ermordung von Mahsa durch die Polizei beklagt wurde.

Um diese sich rasch verändernde Situation besser zu verstehen, haben wir ein sehr kurzes Interview mit der Federation of Anarchism Era geführt, einer Organisation mit Sektionen im Iran und in Afghanistan.

Dieses Interview wurde zwischen dem 20.9.22 und dem 23.9.22 geführt.

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Interview

Black Rose / Rosa Negra (BRRN): Bitte gebt zunächst eine kurze Beschreibung der Federation of Anarchism Era.

Federation of Anarchism Era (FAE): Die Federation of Anarchism Era ist eine lokale anarchistische Föderation, die im so genannten Iran, Afghanistan und darüber hinaus aktiv ist.

Unsere Föderation basiert auf dem Synthese-Anarchismus und akzeptiert alle anarchistischen Tendenzen mit Ausnahme von nationalistischen, religiösen, kapitalistischen und pazifistischen Tendenzen. Unsere langjährige Organisationserfahrung in extrem repressiven Umgebungen wie dem Iran hat uns dazu gebracht, eine aufständische Organisationstaktik und Philosophie zu entwickeln und anzuwenden.

Wir sind eine atheistische Organisation und betrachten Religion als eine hierarchische Struktur, die älter und beständiger ist als fast alle anderen autoritären Systeme und dem Kapitalismus und anderen autoritären sozialen Strukturen, die die Menschheit heute versklaven, viel zu ähnlich ist. Zum Klassenkampf gehört aus unserer Sicht auch der Kampf gegen die klerikale Klasse, die uns unserer Freiheit und Selbstbestimmung beraubt, indem sie das Heilige und das Tabu definiert und sie mit Zwang und Gewalt durchsetzt.

BRRN: Wer war Mahsa Amini? Wann, warum und wie wurde sie getötet?

FAE: Mahsa Amini, von ihrer Familie Zhina genannt, war eine gewöhnliche 22-jährige Kurdin aus der Stadt Saghez (Saqez) in Kurdistan.

Sie reiste mit ihrer Familie nach Teheran, um Familien zu besuchen. Am 13. September wurde Mahsa in Begleitung ihres Bruders Kiaresh Amini von der Sittenpolizei oder der so genannten “Guidance Patrol” wegen “unangemessenen Hijabs” verhaftet. Ihr Bruder versuchte, die Verhaftung zu verhindern, aber die Polizei setzte Tränengas ein und schlug auch auf Kiaresh ein.

Viele andere verhaftete Frauen wurden Zeuginnen des Geschehens im Polizeiwagen. Auf dem Weg zur Polizeiwache kam es zu einem Streit zwischen den inhaftierten Frauen und den Polizeibeamten. Mahsa Amini war eine der Frauen, die gegen ihre Verhaftung protestierte. Sie sagte, sie sei nicht aus Teheran und sie müsse auf der Stelle freigelassen werden.

Die Polizei wandte körperliche Gewalt an, um alle inhaftierten Frauen zum Schweigen zu bringen. Auch Mahsa wurde verprügelt. Augenzeugen berichteten, dass die Polizeibeamten Mahsas Kopf hart gegen die Wand des Polizeiwagens schlugen.

Sie war noch bei Bewusstsein, als sie in der Agentur für Moralische Sicherheit ankam, aber die anderen inhaftierten Frauen bemerkten, dass sie es ihr schlecht ging. Die Polizei zeigte sich völlig gleichgültig und beschuldigte sie der Schauspielerei. Die Frauen protestierten weiter, um Mahsa zu helfen, die notwendige medizinische Versorgung zu erhalten. Die Proteste wurden von der Polizei mit Gewalt beantwortet. Mahsa Amini wurde von der Polizei erneut schwer geschlagen und verlor daraufhin das Bewusstsein.

Die Polizei wurde daraufhin aufmerksam und versuchte, sie wiederzubeleben, indem sie ihr die Brust aufpumpte und ihre Beine hochlegte und massierte. Nachdem diese Versuche gescheitert waren, griff die Polizei andere Frauen an, um alle Handys und Kameras zu konfiszieren, die den Vorfall möglicherweise aufgezeichnet hatten.

Nach langen Verzögerungen und der Suche nach den verlorenen Schlüsseln für den Krankenwagen wurde Mahsa ins Kasra-Krankenhaus gebracht.

Die Klinik, in die Mahsa Amini eingeliefert wurde, behauptete in einem Instagram-Post, Mahsa sei bei ihrer Einlieferung hirntot gewesen. Dieser Instagram-Post wurde später wieder gelöscht.

Am 14. September berichtete ein Twitter-Account eines Freundes, der im Kasra-Krankenhaus arbeitet, dass die Polizei den Ärzt*innen und dem Pflegepersonal gedroht habe, keine Fotos oder Videobeweise zu machen und die Eltern von Mahsa über die Todesursache zu belügen. Das Krankenhaus, das eingeschüchtert wurde, hat der Polizei gehorcht. Sie logen die Eltern an, dass es sich um einen “Unfall” gehandelt habe, und hielten sie zwei Tage lang an den lebenserhaltenden Maßnahmen fest. Mahsa wurde am 16. September für tot erklärt. Ihre Todesursache aus den medizinischen Scans, die von Hacktivisten veröffentlicht wurden, zeigt Knochenbrüche, Blutungen und ein Hirnödem.

BRRN: Hat Mahsas Identität als Kurdin bei ihrer Verhaftung und ihrem Tod eine Rolle gespielt?

FAE: Zweifellos spielte die Tatsache, dass sie Kurdin in Teheran ist, eine Rolle bei Mahsas letztendlichem Tod. Aber es ist eine Realität, die alle Frauen im Iran erleben. Wir brauchen nicht lange zu suchen, um Videoaufnahmen zu finden, in denen die Sittenpolizei Frauen schlägt und in Polizeifahrzeuge zwingt, Frauen aus einem fahrenden Auto auf die Straße wirft und Frauen wegen ihres “unpassenden Hijab” belästigt werden. Diese Videos zeigen nur einen winzigen Bruchteil der Hölle, die Frauen im Iran erleben.

Dass Mahsa am Tag ihrer Verhaftung bei ihrem Bruder war, war kein Zufall. In der patriarchalen Gesellschaft des Irans müssen Frauen ständig einen männlichen Verwandten, sei es ein Vater, Ehemann, Bruder oder Cousin, mitnehmen, um die Sittenpolizei abzuwehren und belästigende Personen in der Öffentlichkeit abzuwehren. Junge Paare dürfen in der Öffentlichkeit nicht zu nahe beieinander gesehen werden, da sie sonst Gefahr laufen, von der Sittenpolizei verprügelt und verhaftet zu werden. Angehörige mussten Dokumente vorlegen, um ihre Beziehung gegenüber der Polizei zu belegen. Die Verhaftung von Frauen wegen Lippenstift und Nagellack war eine Realität, an die sich viele von uns Millennials im Iran lebhaft erinnern.

Ein weiterer Alptraum für Frauen im Iran ist die Bedrohung durch Säureanschläge wegen eines “schlechten Hijab”.
Patriarchat und religiöse Autokratie betreffen alle Frauen.

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BRRN: Wie hat das iranische Volk von Mahsas Tod erfahren? Wie war die erste Reaktion der Bevölkerung?

FAE: Wie wir bereits erwähnt haben, gab es viele Augenzeugen. Keine noch so großen Drohungen hätten verhindern können, dass die Geschichte von Mahsas Tod durchsickert.

Es ist erwähnenswert, dass der Arzt, der Mahsa behandelte, und der Fotojournalist, der Mahsas Zustand und die Notlage ihrer Familie dokumentierte, beide verhaftet wurden und ihr derzeitiger Status unbekannt ist.

Die erste Reaktion war Empörung. Die Menschen teilten bereits Mahsas Geschichte vom 14. September. Die Empörung war jedoch noch nicht groß genug für Proteste und Aufstände. Die Menschen dachten noch, Mahsa läge im Koma, und es bestand Hoffnung auf ihre Genesung. Dann wurde sie am 16. September für tot erklärt.

Zunächst gab es kleinere Proteste am Kasra-Krankenhaus, die von der Polizei aufgelöst wurden. Die Funken des aktuellen Aufstands wurden in Saghez, Mahsas Heimatstadt, gezündet.

BRRN: Welches Ausmaß haben die derzeitigen Demonstrationen? Auf welche Gebiete des Landes konzentrieren sich die Demonstrationen?

FAE: Die Situation ist sehr dynamisch und ändert sich außergewöhnlich schnell. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels haben die Flammen des Aufstands 29 von 31 Provinzen des Irans in Brand gesteckt. Eines der Merkmale dieses Aufstands ist, dass er sich schnell auf große Städte im Iran wie Teheran, Tabriz, Isfahan, Ahvaz, Rasht und andere ausbreitet.

Qom und Mashhad, die ideologischen Hochburgen des Regimes, haben sich dem Aufstand angeschlossen. Auch die Insel Kish, das kapitalistische und kommerzielle Zentrum des Regimes, hat sich aufgelehnt. Dies ist der vielfältigste Aufstand, den wir in den letzten Jahren erlebt haben.

Für den 23. September planen die Syndikalist*innen einen Generalstreik zur Unterstützung der Proteste.

Das Regime hat für denselben Tag eine bewaffnete Demonstration geplant. Es ist also viel los.

BRRN: Wie hat der iranische Staat auf diese Demonstrationen reagiert?

FAE: Die erste Reaktion des Regimes war weniger brutal, als wir es bisher erlebt haben. Ein Grund dafür ist, dass sie überrascht wurden. Sie haben nicht mit dieser starken Reaktion gerechnet. Der wichtigere Grund ist, dass Ibrahim Raisi bei der UNO ist. Das Fehlen hochrangiger Persönlichkeiten, die öffentliche Geschichte von Mahsa und die Proteste sowie der Druck auf die Regierung, die von der internationalen Gemeinschaft beobachtet wird, haben das Massaker vorerst gestoppt.

Verstehen Sie uns nicht falsch. Die Polizei hat vom ersten Tag der Proteste an viele Menschen getötet und verletzt. Unter ihnen waren auch 10-jährige Kinder und 15-jährige Jugendliche. Aber wir haben den November 2019 erlebt, als das Regime innerhalb von drei Tagen viele Tausend Menschen massakrierte.

Bei allen früheren Aufständen war die Polizei nicht direkt das Ziel des Zorns der Menschen. Diesmal ist es anders. Diesmal ist sie der Bösewicht, und die Menschen sind auf ihr Blut aus. Das zermürbt sie physisch und psychisch, was wir als gute Nachricht werten.

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Im Moment erleben Saghez und Sanandaj eine rücksichtslose Unterdrückung. Das Regime hat Panzer und schwere Militärfahrzeuge eingesetzt, um den Aufstand dort zu unterdrücken. Es gibt viele Berichte, dass mit scharfer Munition auf die Demonstrant*innen geschossen wurde.

Die Proteste gehen weiter. Die Polizeiautos werden umgeworfen. Die Polizeistationen wurden geplündert und niedergebrannt. Wir müssen uns nur bewaffnen, indem wir ihre Waffenlager plündern. Dann treten wir in eine ganz andere Phase der Revolte ein.

BRRN: Ist es richtig, diese Demonstrationen als feministisch zu bezeichnen?

FAE: Ja, auf jeden Fall. Wie bei allen anderen Aufständen gab es auch hier Entwicklungen und Bewegungen unter der Oberfläche.

Man kann sagen, dass das jüngste harte Vorgehen gegen den Hijab und die zunehmende Brutalität der Sittenpolizei eine Reaktion auf die spontane, autonome und feministische Selbstorganisation der iranischen Frauen war. Anfang dieses Jahres begannen Frauen im Iran, Personen und Geschäfte, die den Hijab strikt durchsetzen, auf eine schwarze Liste zu setzen und zu boykottieren, z. B. Cafés. Die Bewegung war dezentralisiert und führerlos und zielte darauf ab, sichere Räume für Frauen und Mitglieder der LGBTQ-Gemeinschaft zu schaffen.

Diese brutale Unterdrückung gipfelte in diesem Moment, in dem Frauen überall an vorderster Front stehen, ihre Kopftücher verbrennen und Polizisten verprügeln. Der Hauptslogan des Aufstands ist “Frau, Leben, Freiheit” (Jin, Jiyan, Azadî), ein Slogan aus Rojava, einer Gesellschaft, deren Ambitionen auf einer anarchistischen, feministischen und säkularen Ideologie beruhen.

BRRN: Welche politischen Elemente (Organisationen, Parteien, Gruppen) sind an den Demonstrationen beteiligt, wenn überhaupt?

FAE: Bei jedem Aufstand versuchen viele Organisationen, Parteien und Gruppen, sich die Proteste zu eigen zu machen oder sie zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Die meisten von ihnen stießen bei diesem Aufstand auf ein unlösbares Problem.

Erstens: Die Monarchisten. Reza Pahlavi, der tote Sohn des sehr toten früheren Schahs von Iran, eine Person, die durch gestohlenes Geld und Mediennetzwerke außerhalb Irans gestützt wird, rief inmitten der öffentlichen Empörung und der anfänglichen Proteste zu einem nationalen Trauertag auf, anstatt seine Ressourcen zur Unterstützung der Revolte einzusetzen. Die Menschen haben ihn schließlich als den Scharlatan erkannt, der er ist. “Tod den Unterdrückern, ob Schah oder Führer”, war im ganzen Iran zu hören.

Dann die MEK oder Mujahedin Kalq. Die MEK hat ein ideologisches Problem mit diesem Aufstand. Sie sind eine Sekte, deren weibliche Mitglieder gezwungen werden, rote Kopftücher zu tragen. Ihre Entstehungsgeschichte reicht von der Verbindung marxistischer und islamischer Ideologien, die vor 1979 von Marxisten-Leninisten gekapert wurden, bis hin zu einer Sekte, die heute im Dienste kapitalistischer und imperialistischer Staaten steht. Dennoch verbrennen die Frauen im Iran ihre Kopftücher und den Koran. In diesem politischen Klima haben sie kein Mitspracherecht.

Dann gibt es kommunistische Parteien, die Rojava verachten und immer schlecht darüber reden. Ihre entlarvte und verrostete Klassenanalyse hilft ihnen nicht dabei, die Herzen hier zu gewinnen.

Bei all ihren Reden und ihrer Propaganda für Säkularismus und Feminismus hatten sie nicht einen einzigen Slogan, der auf die Befreiung der Frauen ausgerichtet war. Und ihre Ideologie hinderte sie daran, “Frauen, Leben, Freiheit” zu skandieren. Sie hatten nichts zu sagen, also hielten sie den Mund. Deshalb ist ihre Präsenz bei den heutigen Protesten viel schwächer.

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Die anarchistische Bewegung wächst im Iran. Dieser Aufstand, der führerlos, feministisch und antiautoritär ist und Rojava-Slogans skandiert, hat dazu geführt, dass Anarchist*innen, die der Föderation angehören oder nicht, eine starke Präsenz in diesem Aufstand haben. Leider wurden auch viele verhaftet und verletzt.

Wir arbeiten daran, das antikapitalistische Potenzial dieser Bewegung zu verwirklichen. Denn die Islamische Republik ist ein Todeskult und Religion, Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus sind ihre ideologischen Säulen. Damit wir leben können, müssen wir frei sein, und das geht nicht, ohne dass die Befreiung der Frauen an vorderster Front steht.

BRRN: In Solidarität. Vielen Dank für Ihre Zeit.

FAE: Solidarität.

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22.10 | Bern | Heraus zum Antifaschistischen Abendspaziergang

Wir laden am 22. Oktober 2022 um 19:30 auf dem Bahnhofplatz Bern zu einem Antifaschistischen Abendspaziergang ein. Wir wollen ein bestimmtes, lautes und buntes Zeichen gegen Faschismus, Kriege und Krisen und gegen rassistische und antifeministische Tendenzen setzen! Auf solidarische und kämpferische Zeiten!
Damals wie heute: Kämpfe verbinden – Faschismus überwinden

Kurz vor der Pandemie haben sich in der Schweiz neue Gruppen mit rechtsextremer Ideologie gebildet. Sie haben versucht, die Proteste und Unzufriedenheit der Menschen während der Pandemie für sich zu beanspruchen und mit ihrer Ideologie zu prägen. Sie liefen mit ihren hetzerischen Botschaften durch die Strassen. Dieselbe Ideologie führte zu zahlreichen rechtsextremen Terroranschlägen. Die Attentate in Utøya(2011), in Halle(2019), in Hanau(2020) und in Oslo(2022) bei denen zahlreiche Menschen ermordet wurden, sind keine Einzelfälle. Die Täter beziehen sich aufeinander. Dass faschistische Attentate keine Einzelfälle sind, zeigen Aktivist*innen seit Jahren auf und fordern eine konsequente Aufarbeitung der Morde. Die getöteten Menschen werden nicht vergessen und die Taten nicht vergeben.

Nationalstaaten nutzen faschistische Ideen für ihre Interessen. So bedient sich zum Beispiel die russische Regierung, sowie der NATO-Staat Türkei seit Jahren an faschistischen Ideen und arbeitet Hand in Hand mit islamistischen und rechtsextremen Gruppen zusammen, um gegen Frauen und queere Menschen, gegen Minderheiten, gegen linke Politiker*innen und Aktivist*innen und kritische Journalist*innen vorzugehen. Die Konsequenz dieser Politik zeigt sich aktuell einerseits in dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und andererseits in den ständigen Angriffen der Türkei gegen selbstverwaltete Gebiete Kurdistans. Doch nicht nur dort, sondern in allen Nationalstaaten fällt nationalistische Propaganda stets auf fruchtbaren Boden, sei es in der Schweiz, der Ukraine oder sonstwo. Und niemals nützt dies der allgemeinen Gesellschaft, sondern stabilisiert jediglich die Herrschaftsverhältnisse. Der Widerstand gegen diese Politik ist massiv, so konnte die Revolution in Rojava, trotz ständigen Angriffen der Türkei und ihren djihadistischen Söldner*innen, ihr 10 jähriges Bestehen feiern und verteidigt sich weiterhin.

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Aktuell wird einmal mehr exemplarisch vorgezeigt, auf welchem Rücken wirtschaftliche Krisen ausgetragen werden. Während die Reichsten ihr Vermögen im Zuge der Pandemie nahezu verdoppeln konnten, bedeutet diese Zeit für Lohnabhängige enorme Belastungen. Die wirtschaftliche Lage wird sich in nächster Zeit weiter zuspitzen. Klimakrise und Kriege führen weltweit weiter ins Verderben. Dass dabei die Reichsten weiterhin mit dem Versprechen des grünen Kapitalismus Kapital schlagen werden und sich gleichzeitig die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Prekarisierten und Arbeitenden ständig verschlechtern wird, gehört zur Logik des Kapitalismus. In Zeiten wirtschaflticher Krisen dienen faschistische Ideen zur Spaltung der Arbeitenden und somit zur Schwächung der Arbeitendenbewegung. Konkurrenz, Spaltung und Diskriminierung dienen einzig den Reichen und Herrschenden. Doch es ist klar, Kapitalismus hat keine Zukunft und es ist im Interesse aller Lohnabhängigen und Prekarisierten, sich gemeinsam gegen das kapitalistische System zu stellen und dabei die Breite und Unterschiedlichkeit der Kämpfe anzuerkennen und als Stärke zu nutzen. Tendenzen, die zu faschistischer, rassistischer, sexistischer Spaltung unter den Prekarisierten und Lohnabhängigen führen, müssen erkannt und bekämpft werden.

Die rassistischen Strukturen und die koloniale Geschichte, die nie ein wirkliches Ende fand, sind in der Schweiz tief verankert. Die Asylpolitik zielt darauf ab, Menschen zu zerstören und möglichst vom europäischen Wohlstand fernzuhalten. In den Asyllagern werden wöchentlich Menschen in den Suizid(-Versuch) getrieben, dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Doch diese Zustände sind nicht für die Ewigkeit, der migrantische und antirassistische Widerstand wächst und ist stark. Tragen wir alle unseren Teil dazu bei, dass die Festung Europa fällt!

Die reaktionäre, patriarchale Antwort auf feministische Errungenschaften wächst. So sind das faktische Abtreibungsverbot in den USA, die Angriffe von Rechtsextremen gegen die LGBTI*-Pride in verschiedenen Ländern, auch in der Schweiz, und die rassistische und sexistische Organisierung von Fascho-Frauen in der Westschweiz und Frankreich einige prägnante Beispiele für diese Tendenz. Dies ist jedoch als verzweifelte Reaktion auf die starken feministischen Bewegungen weltweit und die erfolgreichen Kämpfe deren zu verstehen und entschlossen zurückzuschlagen.

Was alle diese Beispiele gemeinsam haben ist, dass sie auf unterdrückerischen und gewaltvollen Ideen basieren und gegen die Mehrheit der Menschen auf dieser Welt wirken. Es sind Ideologien, die schlussendlich nur zu Krieg, Krise und Verderben führen können. Diese Ideen gilt es von Anfang an und mit verschiedensten Mitteln entschlossen zu bekämpfen. Wir wollen unsere Kräfte bündeln, Kämpfe verbinden und mit vereinter Wut auf die Strasse gehen. Für kämpferische und solidarische Zeiten. Deshalb laden wir am 22. Oktober zum antifaschistischen Abendspaziergang ein. Bringt eure Botschaften, Transparente und Flyer. Prägt das Bild des antifaschistischen Widerstands mit.

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Aktion gegen Erdölparty in Luzern

Heute Morgen haben Aktivist*innen ein Banner am KKL Luzern befestigt, wo diese Woche ein Treffen der grösten Erdölkonzerne der Welt stattfinden: BP, Shell, Chevron, ExxonMobile, Saudi Aramco.

Dies während Millionen Menschen in Pakistan durch die Klimakrise ihr Zuhause verlieren und die Konzerne enorm von höheren Energiepreisen profitieren.

DAS LASSEN WIR UNS NICHT GEFALLEN!

Leiste mit uns Widerstand gegen diese Verbrechen und komme morgen, Mittwoch 21.9. um 17:30 auf den Europaplatz in Luzern. Die Demonstration ist bewilligt.

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Communiqué Gegendemo “Marsch fürs Läbe”

Wir waren auch heute zahlreich, laut und selbstbestimmt in
Oerlikon und haben den Marsch durch verschiedene Aktionen erfolgreich
gestört.

Heute fand der «Marsch fürs Läbe» erneut in Zürich Oerlikon statt. Zum zwölften mal versammelten sich christliche Fundamentalist*innen zusammen mit rechten Politiker*innen, xenophoben Gruppierungen und Rechtsextremen aus dem In- und Ausland, um gegen das Recht auf Abtreibung zu demonstrieren.
Schon im Vorfeld fanden verschiedene Störaktionen statt, wie diverse Verschönerungsaktionen rund um den Marktplatz Oerlikon, sowie Angriffe auf mehrere Mitträger*innen des «Marsch fürs Läbe». Denn weder in Oerlikon noch sonst irgendwo haben Fundis einen Platz. In diesem Jahr versammelten sie sich unter dem Motto «24 Stunden für ein Leben», das Motto bezieht sich auf eine der beiden von SVP-Kreisen lanciert Initiativen, welche vorsieht, dass zwischen Abtreibungsentschluss und Abtreibung mindestens 24 Stunden verstreichen sollen, dies wirkt im ersten Moment gemässigt aber die Fundis propagandieren ein reaktionäres FLINTA und LGBTQAI+ verachtendes Menschenbild. Doch unsere körperliche Autonomie ist kein Politikum, kein Schauplatz von Moralvorstellungen und sicher nicht verhandelbar. Deswegen waren wir auch heute zahlreich, laut und selbstbestimmt in Oerlikon und haben den Marsch durch verschiedene Aktionen erfolgreich gestört.
Bereits am Mittag fand eine Performance am Bahnhof statt, die den Anreisenden zeigte, dass sie nicht willkommen sind. Rund um den Marktplatz haben wir uns versammelt und obwohl die Polizei immer wieder versuchte, uns wegzudrängen, blieben wir gemeinsam vor Ort, versammelten uns immer wieder neu und blieben lautstark, sodass die Fundis gezwungen waren, verspätet und mit verkürzter Route loszulaufen. Sie waren nicht länger als 30 Minuten abseits von Publikum auf der Strasse. Auf der ganzen Route verteilt standen wir und machten ihnen klar, dass sie hier nicht wilkommen sind. Nicht nur von aussen sondern auch von innen haben wir heute die Veranstaltung gestört. Mit einer Scheinrede haben wir uns in das Programm der Fundis eingeschlichen und unseren Widerstand auch auf dem Platz laut gemacht.

Denn es sind unsere Körper, unsere Entscheidungen und unsere Strassen –
Kein Fussbreit dem Marsch fürs Läbe.

Bündnis für ein selbstbestimmtes Leben

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Kein Fussbreit dem “Marsch fürs Läbe”

Am 17. September 2022 kommt der «Marsch für’s Läbe» erneut nach Zürich. Blockieren wir sie und zeigen ihnen, dass sie nicht willkommen sind!

Auf dem Marktplatz in Oerlikon werden religiöse Fundamentalist*innen zusammen mit rechten Politiker*innen, xenophoben Gruppierungen und immer wieder auch Rechtsextremen aus dem In- und Ausland unter dem Motto «24 Stunden für ein Leben» zum bereits zwölften Mal gegen das Recht auf Abtreibung und damit gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und FINTA-Personen beten, bevor sie schliesslich mit ihrer menschenverachtenden Botschaft durch die Strassen ziehen.

Nachdem der Fundi-Aufmarsch letztes Jahr an selber Stelle kämpferisch gestört werden konnte, werdenwir uns den selbsternannten Lebensrechtler*innen auch in diesem Jahr in den Weg stellen.

Vo wäge «für’s Läbe»!
Das politische und gesellschaftliche Klima, in dem sich der diesjährige Anlass wiederfindet, ist angespannt, die Mobilisierungskraft der Abtreibungsthematik nicht zuletzt wegen der Aufhebung des universalen Rechts auf Abtreibung in den USA und zwei hierzulande lancierten Anti-Abtreibungsinitiativen spürbar. Entsprechend bezieht sich auch das Motto des diesjährigen Marsches auf eine der beiden aus SVP-Kreisen lancierten Initiativen, die vorsieht, dass zwischen Abtreibungsentschluss und Abtreibung mindestens 24 Stunden verstreichen sollen. Was gemässigt undvernünftig daherkommt, ist im Kern nur der Wunsch nach Kontrolle und Macht.
Auch mit «für’s Läbe» hat dieser Anlass derweilen rein gar nichts zu tun. Die Fundis inszenieren sich als «Lebensschützer*innen», propagieren aber ein gewaltig reaktionäres, Frauen- und LGBTIQ*- verachtendes Menschenbild. Immer wieder gehen sie dafür auf der Strasse, aber auch in Parlamenten weltweit Koalitionen mit Rechtsaussen ein, lobbyieren für ihre Anliegen und beeinflussen Gesetzgebungen.
Das «Läbe», welches sie sich wünschen, ist ein patriarchales, zutiefst sexistisches und konservatives Leben. Frauen und FINTA- Personen sollen gemäss ihrer Ideologie zu Gebärmaschinen für Staat, Nation, Kirche und Kapital degradiert werden. Die Fundis proklamieren, dass Abtreibung Mord sei, die psychische Gesundheit gefährde und das christliche Modell der patriarchalen Kernfamilie aushöhle. Zur Untermauerung ihrer Argumente scheuen sie auch nicht davor zurück, immer wieder Menschen mit Behinderung, Kinder und traumatisierte Personen für ihre Agenda zu instrumentalisieren.
Gemeinsam konnten wir den «Marsch für’s Läbe» in den vergangenen Jahren immer wieder erfolgreich stören. In diesem Jahr wird es nicht anders sein, denn unsere körperliche Autonomie ist kein Politikum,kein Schauplatz von Moralvorstellungen und nicht verhandelbar!

Stellen wir uns gemeinsam dem «Marsch für’s Läbe» in Zürich Oerlikon am 17. September entgegen. Laut, selbstbestimmt und kämpferisch!

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Infoabend “Besuche in Notunterkünften”


In der Schweiz leben illegalisierte Menschen oftmals unter schwierigen Lebenssituationen. Aufgrund von Eingrenzungen, abgelegenen Unterkünften, Kontrolle und Repression ist eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben für viele Menschen kaum möglich. Diese durch den Staat gewollte und organisierte Isolation ist unmenschlich und falsch!

Wir sind eine Gruppe aus Luzern, die diese Isolation im Kanton Luzern durchbrechen möchte. Mit regelmässigen Besuchen in Nothilfeunterkünften möchten wir Kontakte knüpfen und gemeinsam für ein Bleiberecht für alle kämpfen. Damit wir wöchentliche Treffen organisieren können, sind wir auf deine Unterstützung angewiesen. Wir freuen uns, wenn du an den Infoabend kommst:

12. September | 19:00 Uhr | RäZeL, Horwerstrasse 14, Luzern

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Revolutionäres Zentrum Luzern Fest

Seit über drei Jahren beleben verschiedene Gruppen und Personen das RäZeL – es ist an der Zeit, diesen wichtigen Ort in Luzern zu feiern.

*11. September 2022 | ab 16 Uhr | RäZeL, Horwerstrasse 14, Luzern*

mit
Buffet (alle bringen etwas mit) & Antirep-Bar
Tala and the African groove & Fate
Siebdruckkollektiv Müscle
Bücherstand und Infotische
Kinderbetreuung

Komm vorbei und sei Teil davon!

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Zweite Medienmitteilung zu den Wohlfühltagen

Sehr geehrte Medienschaffende

Zahlreiche Medien haben über unseren offenen Brief[1] berichtet und dabei ein Licht auf verschiedene Kritikpunkte an den Luzerner Wohlfühltagen geworfen. Mit dieser zweiten Medienmitteilung möchten wir auf einige offene Punkte und auf die Stellungnahme der Messe Luzern AG, sowie der Organisator*innen eingehen. Ausserdem wollen wir etwas zu den Aussteller*innen sagen.

Die Messe Luzern AG

Wir sind enttäuscht von der Reaktion der Messe Luzern AG[2]. Bis vor kurzem war dort noch das Impfzentrum untergebracht, jetzt rollen sie den Verschwörungstheoretiker*innen den roten Teppich aus. Ob und wie viel Geld von der öffentlichen Hand an die Messe Luzern AG für Impfzentrum, Parlamentssessionen und Teststationen geflossen ist, können wir nicht eruieren. Zumindest im Fall von Patric Pedrazzoli ist es fragwürdig, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Auf ihn werden wir weiter unten eingehen.

Die Veranstalter*innen

Die Veranstalter*innen um Marco Rossi, welcher in unseren Facebook-Kommentarspalten zunehmend unruhiger wird, haben ein Statement veröffentlicht[3]. Ihre Reaktion erstaunt uns wenig. Sie wissen genau, was sie da veranstalten und wen sie einladen. Enttäuschend ist allerdings, dass sie nicht auf unsere berechtigten Kritikpunkte eingehen. In ihrer Stellungnahme schreiben sie, dass sie bei den Aussteller*innen wie auch den Besucher*innen auf Selbstverantwortung setzen. Dieser Aussage widersprechen wir. Natürlich sind die Organisator*innen sowie die Vermieter*innen in der Pflicht, keine schädigenden Praktiken zu promoten. Menschen, die schwer krank sind und sich an jeden Strohhalm klammern, sind verständlicher Weise eher in der Situation, Heiler*innen zu glauben, die ihnen Heilung versprechen. Die deutsche Webseite «Perspektive Leben mit Krebs» warnt ausdrücklich vor sogenannten «Wunderheiler*innen»[4]. Das deutsche Krebsforschungszentrum räumt zwar ein, dass Spontanheilungen bei Krebs passieren. Diese seien aber extrem selten und liessen sich nicht fördern.[5] Sie warnen ebenfalls vor unseriösen Therapieangeboten.

Zum Vorwurf der Anonymität

Die Organisator*innen werfen uns vor, dass wir anonym bleiben wollen. Wir finden diesen Vorwurf absurd, denn ob anonym oder nicht, ändert sich nichts an der Richtigkeit unserer Kritik. Der Grund, warum wir in diesem Fall keine*n Pressesprecher*in anbieten können, ist durch die extreme Gefährlichkeit der Anhänger*innen von Daniele Ganser, wie die Republik berichtete[6], und Peter Fitzeks begründet. Gerade letztere haben eine hohe Affinität zu Waffen und schrecken auch vor Straftaten nicht zurück[7].

Patric Pedrazzoli

Patric Pedrazzoli hat inzwischen seine Heilversprechen («Bereits durfte ich tausende von Menschen behandeln und dabei kleine und grosse Wunder erleben. Chronische Krankheiten wurden stark gelindert oder verschwanden sogar vollständig. Von mir behandelte Menschen erlebten Heilung von Parkinson und Krebs, Blinde konnten wieder sehen und chronische Schmerzen sowie Depressionen und Burnouts verschwanden.») von seiner Homepage[8] gelöscht. Dies zeigt, dass ihm bewusst ist, dass seine Versprechen nicht nur verächtlich, sondern sogar illegal sein könnten. Keine Angst, wir haben den Screenshot gespeichert und schicken ihn Ihnen im Anhang mit. So viel zum Thema, der Messe Luzern AG seien keine Rechtswidrigkeiten bekannt.

Zu den Aussteller*innen:

Hans Freisinger

Hans Freisinger vertreibt Mineralien. Darunter auch Klinoptilolith. Vor der Anwendung Klinoptiloliths bei Pferden warnt Agroscope[9]. «Klinoptilolith verursacht Haut- und schwere Augenreizungen (H315, H319), ist gesundheitsschädlich beim Einatmen (H332) und kann die Atemwege reizen (H335)». Ausser auf den Hinweis, «Staub nicht einatmen» und «Für Kinder unzugänglich aufbewahren», verzichtet Hans Freisinger auf Gefahrenhinweise. Darüber, wie das Produkt angewendet werden soll oder wogegen es helfen soll, hüllt sich Herr Freisinger in Schweigen. Ein Blick auf andere Homepages[10] hilft da weiter. Dieses soll nämlich bei der Entgiftung und diversen weiteren Beschwerden helfen. Ausserdem bietet er diverse «Heilsteine» an.

Daniel Mittelbach

Daniel Mittelbach findet für alles eine Lösung. In einem Disclaimer schreibt er zwar, dass sein Coaching keine echte Therapie ersetzt, dennoch bietet er Hilfe bei Beschwerden wie Heuschnupfen[11] bis zu in früheren Inkarnationen geleisteten Schwüren an[12]. Seine Preise scheinen zwar moderat. Für reinen Hokus Pokus ist aber auch das zu viel.

Zweifel SiTec AG

Beim Geschäft mit der Angst will die Schweizer Firma Zweifel SiTec AG mitverdienen. Sie verkauft Wasserfilter. Auf der Startseite[13] verweisen sie prominent auf Artikel mit vermeintlichen Schreckensmeldungen zum Trinkwasser. Dazu schreiben sie: «Diese Tatsachen sollten uns hellhörig machen.» Wie viel so ein Filter kosten soll, erfährt mensch hingegen nicht auf der Homepage.

Tatiana Vega & Cordula Jüstel

Tatiana Vega und Cordula Jüstel verkaufen in ihrem Shop unter anderem «Merle Wasserglas Methode Münz- und Kartensets» diese kosten Euro 190.-[14]. Dabei soll das Wasserglas auf die Karte oder Münze gestellt werden, wobei sich die Schwingungen aktivieren. «Wir können die Schwingungsfrequenz nicht sehen, nicht riechen wie eine Rose oder schmecken oder fühlen. Wir nehmen sie jedoch trotzdem unbewusst in uns auf. Wir nehmen sie über die feinstofflichen Sinne wahr.» Und weiter: «Die Merle Wasserglas Methode kann Erwachsene, Kinder und Tiere unterstützen. Durch die tägliche Anwendung der Merle Wasserglas Methode, hast Du die Möglichkeit, schwierige, herausfordernde Situationen in Deinem Leben zu verändern und in die Eigenverantwortung zu kommen.». Mensch stelle sich ein krankes Kind vor, welches statt einem Arzt- oder einem Therapiebesuch, energetisiertes Wasser bekommt. Sowas für Kinder anzubieten, ist einfach verantwortungslos.

Für Euro 140.- können ausserdem die Merle Schwingungsglobuli für den Soforteinsatz[15] erworben werden. Diese sollen unter anderem beim Kinderwunsch, Grippe und Krankheit sowie in allen Notsituationen helfen.

Netzwerk Impfentscheid

Worum es bei diesem Netzwerk geht, fällt auf, sobald man die Homepage[16] aufruft. Da erscheint folgender Popup: «Für unsere Menschenrechte, die aktuell rechtswidrig massiv beschnitten sind, braucht es den Einsatz aller. Auch den von Ihnen. Danke.» Seit einiger Zeit gibt es keine neuen Blogeinträge mehr. Aus den alten geht aber hervor, dass es sich keinesfalls um neutrale Impfaufklärung handelt. Das Netzwerk Impfentscheid hat sich aktiv gegen die Coronapolitik engagiert. Diese Proteste waren auch hierzulande gut besucht von Rechtsextremist*innen[17]. Dass dieses Netzwerk gemäss eigenen Angaben[18] auch Baby- und Kindermessen besucht, ist höchst bedenklich, denn auch da ist ihre Einstellung genauso einseitig.

Fazit

Die Liste der Scharlatan*innen bei den Redner*innen setzt sich bei den Aussteller*innen fort. Klar kann gesagt werden, wer sowas kauft ist selbst schuld. Dahinter stecken aber perfide Maschen, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen und einige davon können lebensgefährlich sein.

Quelle: https://resolut.noblogs.org/post/2022/08/28/zweite-medienmitteilung-zu-den-wohlfuehltagen

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RESolut fordert Absage der Luzerner Wohlfühl Tage

Sehr geehrte Damen und Herren der Messe Luzern AG,
sehr geehrte Medienschaffende,

Vom 1. bis 4. September sollen in der Luzerner Messe Allmend die sogenannten «Wohlfühl Tage» stattfinden. Hinter einem harmlos klingenden Namen verstecken sich Esoterik, Extremismus und Betrügerei. RESolut ruft die Vermieter*innen der Luzerner Messe, die Luzerner Messe AG, dazu auf, ihre Hallen nicht für diese Scharlatane zur Verfügung zu stellen.

Zu den Gästen:

Patric Pedrazzoli

Ist einer von zahlreichen Heiler*innen an den Wohlfühltagen. Auf seiner Homepage gibt er Heilversprechen ab. So schreibt er: «Bereits durfte ich tausende von Menschen behandeln und dabei kleine und grosse Wunder erleben. Chronische Krankheiten wurden stark gelindert oder verschwanden sogar vollständig. Von mir behandelte Menschen erlebten Heilung von Parkinson und Krebs, Blinde konnten wieder sehen und chronische Schmerzen sowie Depressionen und Burnouts verschwanden.»[1]

Daniele Ganser

Der vor längerer Zeit gefallene Historiker Daniele Ganser ist einer der Verschwörungstherotiker*innen, die vorgeben nur Fragen zu stellen. «Tatsächlich aber stellt Ganser Suggestiv­fragen, reisst Zitate und Bildquellen aus dem Zusammen­hang und verschweigt alles, was nicht in sein Argument passt.»[2] Ganser fiel zwar selber nie rassistisch oder antisemitisch auf, allerdings hat er auch keine Berührungsängste. «So veröffentlichte Compact, eines der wichtigsten Organe der Neuen Rechten, einen Dialog zwischen Ganser und Karl-Heinz Hoffmann, dem Gründer einer neonazistischen Wehrsport­gruppe, die bereits 1980 verboten wurde.»[3]

Steffen Lohrer

Auf seiner Homepage behauptet Lohrer, dass sein Freund von einem Heiler im Dschungel Südamerikas von Tumoren bzw. Metastasen geheilt wurde. Er vermittelt, dass er diese Heilkraft auch besitzt[4]

Priska Simatha Wyss

Hat mit ihrem Gesang ein lukratives Einkommen gefunden. Sie schreibt: «Es können Seelenblockaden / Traumas aus dieser oder früheren Inkarnationen aufgelöst werden.» Für eine Stunde kassiert sie CHF 135.-, eine Sitzung dauere in der Regel 90 min, kostet also CHF 200.-. «Sie kann auch länger dauern, je nachdem, was sich zeigt und welche Themen du mit mir besprechen möchtest. Sie ist direkt in bar oder via TWINT zu begleichen.»[5] Immerhin schreibt sie, dass ein Termin bei ihr keinen Arztbesuch ersetze.

Patrick Kammerer (SEOM)

Stolze Preise verlangt auch der bayrische Rapper Patrick Kammerer. Für Konzerttickets in Deutschland verlangt er Euro 34.-, für solche in der Schweiz sogar Euro 45.-[6]. Das Geschäft scheint zu laufen. Karten für zahlreiche Shows werden in seinem Shop angeboten. Das Hamburger Abendblatt titelte: «Wohlfühlesoterik mit stolzem Preis.»[7]

Gianni Balducci

Der «Heiler» Gianni Balducci gibt die Schuld für Misserfolg seiner «Therapie», die im Übrigen wie die der anderen «Heiler*innen» nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden kann, gleich selbst. «Sie werden unterstützt, wo Bereitschaft da ist, wo Veränderung geschehen darf.»[8]

Susan Froitzheim

Ist ein «Medium für Jenseitskontakte» aus Deutschland. Für eine 35-minütige Skypesitzung kassiert sie 189 Euro[9].

Bruno Erni

Gleich CHF 300.- kostet eine einstündige Sitzung beim Energie-Coach Bruno Erni[10] und Bruno Erni rechnet mit vielen Behandlungen: «Es vereinfacht die Heilung, wenn der Klient offen ist. Spürt ein Klient nach ca. 5 Behandlungen keine Verbesserung, sollte eine andere Heilmethode gewählt werden.»[11] Seine Heilmethode nennt er «mentale Aurachirurgie».

Birgit Fischer

Gesalzene Preise verlangt auch die Österreicherin Brigit Fischer[12]. Ausserdem vermittelt sie, dass ihre Therapie auch bei Krankheiten wie z.B. Krebs oder Trauma helfe[13].

Peter (Menschensohn) Fitzek

Peter Fitzek ist Reichsbürger und der Gründer des Königreich Deutschland. Die Reichsbürgerbewegung wird vom deutschen Verfassungsschutz überwacht[14] und fiel zuletzt vor allem durch den Sturm auf den Reichstag während den Corona Protesten 2020 auf[15]. In diesem Zusammenhang ist auch die Nähe zur rechtsextremen Szene auffällig. So schreibt die Konrad Adenauer Stiftung: «Und schließlich gehören zu der Bewegung auch klassische Rechtsextremisten und Rechtsextremistinnen. Die Bundesrepublik Deutschland gilt ihnen als „Diktat der Siegermächte“, das man zugunsten eines „Deutschen Reiches“ im deutsch-nationalistischen oder nationalsozialistischen Sinne überwinden will.»[16]

Im Dezember 2019 schrieb die Frankfurter allgemeine: «Das Landgericht Dessau-Roßlau hat den selbst ernannten „König von Deutschland“, Peter Fitzek, wegen Fahrens ohne Führerschein und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.» und weiter: «In den vergangenen Jahren beschäftigten sich diverse Gerichte mit dem Deutschen. Fitzek akzeptierte die Urteile nie. Es ging etwa um unerlaubtes Betreiben von Bankgeschäften, Untreue und Verstöße gegen das Versicherungsaufsichtsgesetz.»[17] Peter Fitzek hat nämlich eine eigene Bank, Versicherung und Rentenkasse gegründet. Was mit dem Geld passiert, dass seine Anhänger*innen einzahlen, bleibt fraglich.

Fazit

Die Wohlfühl Tage haben ihren Namen nicht verdient. Passender wäre der Name Abzocker*innen Tage. Viele der Referent*innen bieten Heilung durch übersinnliche Kräfte oder Kontakt zu diesen an und ködern so verzweifelte Personen, die oft ohnehin schon nicht viel Geld haben. Solche Praktiken sind aber nicht nur schändlich, weil sie den Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. Sie können bis zum Tod führen, wenn sie bei Menschen mit schweren Krankheiten wie etwa Krebs angewendet werden, da sie echte Therapieformen verzögern oder verhindern, wie ein Beispiel aus dem Allgäu zeigt.[18] Diese Geschäfte gehören verboten und nicht gefördert in der Allmender Messe.

Freundliche Grüsse

RESolut

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Justice4Nzoy! Antirassistische Demo 3.9 Zürich

Rassismus tötet – ganz konkret am 30. August 2021 in Morges (VD). Die Polizei erschoss den 37-jährigen Nzoy aus Zürich, ein Mord mit eindeutig rassistischem Hintergrund. Die Behörden sind bis jetzt nicht in der Lage und offenbar auch nicht willens, den Fall aufzuklären. Die Angehörigen und wir alle wollen Gerechtigkeit! Tragen wir gemeinsam unsere Betroffenheit und unsere Abscheu vor diesem rassistischen Mord auf die Strasse!

Wir fordern Gerechtigkeit für Nzoy! Dem staatlichen Rassismus in all seinen Formen sagen wir den Kampf an. Wir solidarisieren uns mit den Opfern rassistischer Gewalt und mit allen antirassistischen Kämpfen weltweit! Heraus zur antirassistischen Demonstration am 3. September!
Besammlung 15:30 Landesmuseum vis-à-vis Zürich Hauptbahnhof

Am 30. August 2021 erschoss die Polizei in Morges den 37-Jährigen Nzoy aus Zürich. Polizei und Staatsanwaltschaft verharmlosen seither den Fall und sabotieren den Kampf der Angehörigen um Aufklärung der Geschehnisse. Die Tötung und der behördliche Umgang damit sind typische Beispiele von staatlichem Rassismus. Gerade im Kanton Waadt gibt es inzwischen eine ganze Reihe von ähnlichen Fällen.

Rassismus ist kein Randphänomen und auch nicht das Problem einzelner Individuen, sondern durchzieht unsere ganze Gesellschaft. People of color erleben in allen Teilen der Welt soziale Abwertung, Repression und rassistische Gewalt. Rassismus ermöglicht und legitimiert die Ermordung von Geflüchteten an den Grenzen Europas sowie koloniale Ausbeutung und ist auch eng mit patriarchaler Unterdrückung und kapitalistischer Ausbeutung verbunden.

Der Tod von Nzoy hat breiten Protest ausgelöst: seine Angehörigen kämpfen für eine juristische Aufarbeitung, in Lausanne und Zürich gab es Demonstrationen, und mehrere Kampagnen kämpfen um mehr Öffentlichkeit des Falls. Diesen Widerstand tragen wir weiter. Gehen wir am 3. September gemeinsam auf die Strasse gegen Rassismus in all seinen Formen. Unsere Demo findet auch im Namen eines antirassistischen Septembers statt: am 9./10. September gibt es im besetzten Kochareal das antifaschistische Festival Un!te, am 16./17. September die antirassistischen Aktionstage Enough auf dem ParkPlatz.

Der gemeinsame Kampf gegen Rassismus lohnt sich! Wir fordern Gerechtigkeit für Nzoy! Dem staatlichen Rassismus in all seinen Ausprägungen sagen wir den Kampf an. Wir solidarisieren uns mit den Opfern rassistischer Gewalt und mit allen antirassistischen Kämpfen weltweit!

Nzoy rest in power!
Rassismus tötet!
Gemeinsam gegen Rassismus!

Antirassistische Demonstration 3. September 2022, 15:30 Uhr, Landesmuseum vis-à-vis Zürich Hauptbahnhof

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@justice4nzoy & @dans_la_rue_pour_nzoy

Infoveranstaltung in Luzern: 17.08.2022, 18 Uhr Indu BEIZ, Unterlachenstrasse 33

Soirée de soutien à Lausanne: 27 Août, 17-22 heures, Espace Autogéré

Blumenniederlegung und Protest zum Jahrestag in Morges: 30. August, 19:30 Uhr, Place de la Gare

Protest vor der Schweizer Botschaft in Berlin: 30.08.2022, 16 Uhr, Otto-von-Bismarck-Allee 4a

Protest vor dem Schweizer Konsulat in Innsbruck: 01.09.2022, 10 Uhr 4a

Weitere Veranstaltungen tba

Der Demonstrationsaufruf wird von folgenden Organisationen und Kollektiven unterzeichnet: Stand 18.8.2022, zum Unterzeichnen Mail an oa-zh@immerda.ch

Augenauf, Autonome Schule Zürich, Bewegung für den Sozialismus, Bündnis «Wo Unrecht zu Recht wird…», Collectif de la Grève du Climat Genève, Collectif Kiboko, Collectif Sud Global, Collectiv Porno Diesel, Aktionstage enough Zürich, Feministisches Streikkollektiv Zürich, Freie Arbeiter*innen Union Schweiz, Genossenschaftsbeiz Ziegel oh Lac, Groupe Antirep Vaud, Infoladen Kasama, IWW Jura-Alpen-Mittelland, Justice4Nzoy, Kleinbasel Solidarisch, Klimastreik Zürich, Kollettiva Jiyan Ticino, Koch Alreal Zureich, Le Silure Genève, Maison collective de Malagnou Genève, Migrantifa Basel, No-More-Comittee, Organisierte Autonomie Zürich, Partei der Arbeit Zürich, radio 40 Lausanne, Radio Lora Zürich Info Redaktion, megahex.fm Zürich, Red and Anarchist Skinheads (RASH) Zürich, Revolutionärer Aufbau Schweiz, Sosyalist Yeniden Kurulus Partisi (SYKP), Un!te Antifascist Festival Zürich, Watch the Med Alarmphone Schweiz

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